08.03.2018, News

Besuch der Schola Thomas Morus im Kunsthistorischen Museum

Woher kommt das Licht?

Im Frühlings-Schneetreiben stapften die Schüler und Schülerinnen der Schola Thomas Morus durch den Morgen und kamen eingemummt und mit von der Kälte roten Bäckchen in der Minoritenkirche in Wien an. Unser erster Besuch in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums begann, wie könnte es an der Schola anders sein, mit einer Heiligen Messe. Gott die Ehre erweisen im Gebet!

Gestärkt für das innere und äußere Sehen wanderten wir dann an der Hofburg vorbei hinüber zum Museum. Die Schüler wurden in kleine Gruppen eingeteilt und von den Professoren Borioni und Wiesmüller, von Direktor Prof. Alting von Geusau, dem Maler Clemens Fuchs und einem Kunsthistoriker des Museums geführt. Aber es war nicht einfach nur ein Gang durch die Gemäldesammlung, denn die Hinführung zur Kunst ist Teil der Bildung an der Schule.

Das Museumskonzept der Schola Thomas Morus

Direktor Geusau hat für die Schule – auch ihrem Schwerpunkt gemäß – ein Konzept erarbeitet, das längerfristig seine Wirksamkeit zeigen wird. Es wurden für diesen ersten Besuch gezielt 7 besondere Bilder ausgewählt, die von den einzelnen Gruppen und ihrer Leitung betrachtet und ausführlich besprochen wurden. Es war eine logistische Meisterleistung unserer umsichtigen Schulsekretärin Mag. Bettina Hofmann, die einzelnen Rundgänge so einzuteilen, dass jede Gruppe genügend Zeit für die Bilder hatte und es dennoch zu keinen Kollisionen kam.

Der geöffnete Himmel

Beginnen wir mit Tizian und seiner wunderbaren Darstellung „Christus und die Ehebrecherin“. Die Schüler staunten über die Aussagekraft des Bildes, darüber, wie der Maler an Hand von Licht, weißer und hellblauer Farbe das tiefe Geheimnis der Vergebung darstellte, die unangreifbare Beziehung zwischen Christus und der Frau. Zu erklärten Lieblingsbildern wurden auch die „Madonna im Grünen“ von Raffael sowie Batonis Darstellung vom „Verlorenen Sohn“. Eine Schülerin aus der ersten Klasse sagte ganz berührt, „das sieht so aus, als würde Gott selbst Christus halten“, - um nur eine der beeindruckenden Bemerkungen der Kinder wiederzugeben. Die Schüler waren mit Interesse und Begeisterung bei der Sache. Sie waren von den Bildern angezogen und ließen sich sofort darauf ein, Fragen zu stellen oder zu beantworten. Auch das ist eine Frucht der analytischen Arbeit an der Schule. Ein anderer Junge rief bereits von Ferne, kaum bei „Ambrosius und Theodosius“ von Rubens angekommen: „Der Bischof lässt den Kaiser nicht in die Kirche!“ Der Bischof war leicht zu erkennen, aber dass es sich um einen Kaiser handelte, das konnte man nur am Lorbeerkranz sehen und dieser sprang nicht direkt ins Auge. Staunend standen die Schüler auch vor dem „großen Wald“ des berühmten niederländischen Landschaftsmalers Ruisdael, der ein Gespräch über das Leben und seine Bedrohungen auslöste. Dürers „Allerheiligenbild“, das Alten und Neuen Bund, Himmel und Erde so wunderbar vereinte, bildete mit der unvergleichlichen „Malkunst“ Vermeers den Abschluss, die die zentrale Frage aufwarf: „Woher kommt das Licht?“

Das führt wie von selbst zu einem großen Gedanken von Papst Benedikt XVI.:

„Die Kunst ist entstanden, weil die Menschen in den Dingen der Natur das Durchscheinen und Aufscheinen einer größeren Wirklichkeit gespürt haben. Genauer gesagt: Die Kunst ist entstanden durch ein Sehen, das mehr sieht als die physikalische Analyse wahrnehmen kann. Insofern kommt in der Kunst das eigentliche Wesen des Menschen zur Geltung, denn sein Wesen ist gerade die sinnliche Geistigkeit und die geistige Sinnlichkeit. Das Schauen des Künstlers zeigt auch dem Anderen die Transparenz des Seins, das Durchscheinen und Aufscheinen des Göttlichen, die Immanenz der Transzendenz. Der Sinn zeigt sich den Sinnen und erhellt so den Geist. Kunst ist Öffnen der Sinne und des Sinns; daher ist sie in ihrem Ursprung mit Kult verbunden und so dem rechten Leben selbst zugewandt.“

In diesem Sinne wird die Schule ein Mal pro Semester Kunst-Museen besuchen, um die Schüler und Schülerinnen in einen tieferen Dialog mit der Kunst selbst und im Letzten mit dem Leben zu bringen.

Eine kleine Anekdote mit großer Bedeutung am Rande:

Als es 12 Uhr schlug, sagte ein Junge der ersten Klasse: „Beten wir den Engel des Herrn“. Die Gruppenleiterin war kurz irritiert und meinte, man könne im Museum doch eher nicht beten. Die Kinder zeigten sich erstaunt! Die Professorin war überrascht und willigte schließlich ein. Mit dem Blick in den „großen Wald“ betete die kleine Schar andächtig und auf eine so innige Art und Weise, dass keiner, der vorbeiging, eine abfällige Bemerkung wagte. Die Kinder legten Zeugnis ab, sie traten vor dem großen Kunstwerk, vor den Menschen im Museum und auch vor der Lehrerin für ihren Glauben ein.