06.09.2018, News

Survivalausbildung im Talhof, Breitenstein

Tagesbuch: 03 09 18 – 05 09 18

Liebes Tagebuch!

Heute sind wir, die 5. und 6. Klasse, mitsamt unseren KVs und zwei Professorinnen, Prof. Siquans und Prof. Teufel, zur Survivalausbildung nach Breitenstein am Talhof gefahren. Nach einer schon etwas zweifelhaften Wettervorhersage waren wir alle gespannt, wie wir diese regnerischen Tage überleben werden. Nach 3 Tagen in atemberaubender Natur – in the middle of nowhere –, mit wirklich großartigen Ausbildnern des österreichischen Jagdkommandos, Herwig und Karl, unserem Schulseelsorger, Pater Pio und Schwester Mirjam, und dem Herrn im Allerheiligsten in der Waldkapelle können wir einfach nur sagen: Es hat sich gelohnt und war wunderschön!

Aber alles der Reihe nach …

Der Bus schlängelte sich über verschlungene Fortstraßen bis zum Ende eines Talzugs im Semmeringgebiet. Die Ankunft war höchstpünktlich kurz vor Montagmittag, 3.9.18., am Talhof. Die wenigen Häuser, die hier ziemlich rustikal aussehen, aber doch Idylle ausstrahlen, geben zumindest den Eindruck, dass man nicht ganz verloren ist.

Ausgestiegen wurde sogleich das Szenario besprochen: Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Das Tal ist vermurt und wir sind eingeschlossen. Bis Mittwoch müssen wir durchhalten. Das Wichtigste zuerst: Einen Unterschlupf finden und mit dem Handy Verwandte und Freunde verständigen. Aber bitte alle anderen Funktionen abdrehen, da man Strom sparen muss.

Gesagt getan. Es wurden 3 Gruppen samt eines Kommandanten eingeteilt. Die Mädchen waren sich ziemlich schnell einig, dass Antonia die Anführerin sein sollte. Jede Gruppe musste hernach ihr Zelt selbst im Wald aufbauen. Darauf wurden die Vorräte und etwas Material zum Feuermachen etc. verteilt. Die Einteilung der Vorräte musste die Gruppe selbst vornehmen. Wir wurden also wirklich gefordert, uns selbst Gedanken zu machen und Entscheidungen zu treffen. Der erfolgreiche Lagerbau wurde durch eine erste Erkundung mit weiteren möglichen Notlagerbauten abgeschlossen. Wir hatten nicht zur Verfügung außer den praktischen Regenüberwürfen des Bundesheeres und ein paar Meter Seil, mit denen Waldläuferbetten, Unterschlüpfe für 2-4 Personen plus Feuerstelle konstruiert wurden. Der Zugang war wieder einmal: Do it yourself und schau, was rauskommt. Karl war jedoch immer wieder zur Stelle, um Tipps und Tricks zu geben.

Der erste Regen erwartete uns bei der Rückkunft, was das Feuermachen tatsächlich erschwerte. Mit der passenden Ausrüstung und dem richtigen Holz, zB. Birke, ist es aber auch bei strömenden Regen möglich. Diese Station schlossen wir durch eine ausgedehnte Holzsammelaktion ab, um für die kommenden Tage genug Kleinholz zu haben, denn das Lagerfeuer sollte immer brennen.

Vor dem Abendessen gab es noch eine Unterweisung in Selbstverteidung im Nachbarhaus, das ehemals ein Jagdschloss gewesen war. Das erste Abendessen war für viele eine echte Herausforderung, da sich nicht alle Gerichte so einfach in unseren Metallbechern auf einem Esbit-Würfel kochen ließen. Dass die Essenszubereitung also wirklich Mühe und Energie kostet, konnte man in unseren Augen ablesen und unseren Mägen anhören. Mit vereinten Kräften haben wir aber auch diese Herausforderung überwunden und waren bereit für die erste Nacht in unseren Zelten. Bevor es zu Bett ging, hatten wir noch die Gelegenheit, in der Kapelle mit Pater Pio ein schönes Abendlob zu halten. Er las uns dabei sogar seine Lieblingsbibelstelle vor, den Johannesprolog. „Und was hat das mit Survival zu tun?“, fragte er uns herausfordernd. Gott garantiert unser Leben bzw. überleben, war seine Deutung. Prof. Siquans und Prof. Teufel hatten dazu auch Lieder vorbereitet, die dem ganzen Tag einen wunderbaren Ausklang gaben. Wir hatten es geschafft und freuten uns nun auf unsere Schlafsäcke, auch wenn die Nacht nicht für alle so geruhsam werden sollte …

6 Uhr! „Tagwache!!!“ Herwig weckte uns sanft aus dem Schlaf. Schlaftrunken, aber doch voller Erwartung auf das Frühstück am Lagerfeuer machten wir uns auf den Weg. Nach einem gemütlichen Frühstück hielten wir um 7.30 Uhr ein kurzes Morgenlob.

Die erste Station des Tages drehte sich um die Wasseraufbereitung. Herwig erklärte uns, wie man mit einer Wasserentkeimungstablette jegliches Wasser chemisch säubern kann. Der Wasserfilter hingegen ist zur mechanischen Säuberung. Diesen bauten wir dann auch. Danach bekamen wir eine kurze Einschulung in die wichtigsten Knotenarten, die wir später auch anwenden würden.

Nun begannen wir mit dem zentralen Punkt des Tages, den Vorbereitungen für das Fische fangen. Zuerst bauten wir einen Fischspeer aus einem Weidenast. Dieser kam gleich am Nachmittag in einem seichten Bachbett zum Einsatz. Interessanterweise werden die Fische dabei nicht aufgespießt, sondern in den Stock „eingeklemmt“, was gar nicht so leicht war. Zum Glück hatten wir die Fische davor schon müde gemacht, indem wir geübt hatten, sie mit der Hand zu fangen. Da diese Methoden ziemlich aufwändig waren, gingen wir bald darauf dazu über, eine einfache Angel zu bauen, mit der wir aus dem nahegelegenen Fischteich Zuchtforellen wie am Fließband herausholten. Forellen zu essen ist das eine, sie zu töten und auszunehmen, das andere. Beides fiel uns nicht leicht, aber das Abendessen musste doch vorbereitet werden.

Um 15 Uhr machten wir dann eine kleine „Pause“, um mit Pater Pio die Hl. Messe zu feiern. Es war sehr bewegend, in dieser urigen Kapelle zu feiern. Dabei überraschte uns auch unser Direktor, Dr. Geusau, mit einem Besuch, was uns sehr freute. Gestärkt bereiteten wir uns auf den Abend vor, denn plötzlich hieß es von Seiten der Ausbildner: „Alles zusammenpacken, sodass wir in der Nacht aufbrechen können, wenn ein Marschbefehl kommt.“ Wir waren etwas verwirrt, aber gehorchten selbstverständlich.

Der Abend wurde eingeläutet durch einen Workshop über den Umgang mit der Rettungsdecke, Geheimschriften und -signale, SOS usw. Danach war es endlich so weit. Wir brieten unsere Fische am Feuer, entweder mit einer Pfanne oder mit einem Steck, auf den der Fisch mit einem Draht aufgewickelt war. Dieser Abend klang gemütlich aus, wobei uns immer wieder der Marschbefehl für die Nacht im Hinterkopf blieb.

Und tatsächlich: Um 21.45 Uhr, wir waren gerade schlafen gegangen, gab uns Herwig plötzlich den Befehl: „Regenjacke und Rucksack nehmen. Wir werden 10 km marschieren, dort übernachten, um 5 Uhr wieder aufstehen und zurückgehen.“ Wir marschierten im Gänsemarsch die Forststraße entlang und mussten immer wieder unvorhergesehenen Anweisungen Folge leisten, wie zum Beispiel dass wir die Straße verlassen und uns im Wald weiterbewegen oder schließlich sogar unter Bäumen ein Nachtlager improvisieren mussten.“ Die Suppe wurde allerdings nicht so heiß gekocht wie gegessen und wir kamen nach einer Stunde zufrieden wieder zurück. Die Nacht war heute viel angenehmer und wir schliefen tief und fest.

„Tagwache!“ Wieder 6 Uhr! Verschlafen krochen wir zum Frühstück und es erwartete uns der Sonnenschein. Müde und doch guter Dinge bereiteten wir uns auf den letzten Halbtag vor.

Nach dem Morgengebet hatten wir eine Unterweisung in Orientierung mit Karten und Kompass, die gefolgt war von einer Station in Überwinden von Hindernissen mit Seilen im Löwengang, Bärenhang etc. Danach hieß es aufräumen und Lager abbauen, was uns gut gelang und ein ordentliches Lob von unseren Ausbildnern einbrachte.

Froh und glücklich warteten wir auf den Bus und sind sehr dankbar, diese Tage miterlebt haben zu dürfen.

 
Tugend des Monats

Annahme

"Wir haben grosse Weisheit erworben, wenn wir das gelernt haben: dass man an den Grundlagen des Daseins nichts aussuchen kann, sondern das Ganze annehmen muss."

- Romano Guardini, Tugenden