16.08.2023, News

Italien-Wallfahrt 2023 der Schola Thomas Morus

Vordergründig betrachtet ist eine Wallfahrt eine Reise zu einem bestimmten Ort auf dieser Welt, über viele Kilometer hinweg durch Raum und Zeit. Auf den zweiten Blick, ist sie aber auch und vor Allem eine innere seelische Reise, eine persönliche und sehr individuelle innere Begegnung mit Gott. Genau darum ging es bei der Italien-Wallfahrt der Oberstufe der Schola Thomas Morus im Juni 2023.

Organisiert wurde die Reise von Josef Doblhoff, der bereits viele Gruppen auf dieser Wallfahrt geführt hat. Loreto, Manopello, Lanciano, Rom und Padua verbinden sich wie eine Perlenkette zu einem Pfad auf dem Anfang und Höhepunkt der Mission Christi sowie das Zeugnis seiner Heiligen betrachtet werden.

Von Baden nach Loreto

Die Fahrt begann am Sonntag um 06:00 Uhr früh am Bahnhof Baden, wo der Bus der Firma Glas auf uns wartete. Prof. Blöschl, Prof. Borioni, Prof. Sellner und Prof. Teufel sowie Pater Pio begleiteten die Jugendlichen. Die Fahrt führte zunächst bis Arnoldstein wo ein Fahrerwechsel stattfand, dann über die Alpen hinweg, über die Po-Ebene, vorbei am Zwergstaat San Marino und der Burg Gradara in die Region Marken, ehemals Teil des Kirchenstaates. Entlang der Adria und vorbei an der Hafenstadt Ancona, über deren Bucht auf einem Hügel der romanische Dom von San Ciriaco thront, fuhren wir nach Loreto, dem nach Rom zweitwichtigsten Wallfahrtsort Italiens und Stadt nach der die Lauretanische Litanei ihren Namen trägt; Lauretum – Lorbeerhein.
Der erste Teil der Verfilmung von Herr der Ringe, den wir während der Fahrt im Bus ansahen, spielte auf unsere gemeinsame Fahrt als Gefährten auf dieser Pilgerreise an. Durch die Fenster hindurch wechselten im Laufe der Fahrt  die eindrucksvollen Landschaften, die an uns vorbeizogen, einander ab und ließen uns die Übergänge und den Zusammenhang der Kulturräume untereinander spüren. Die vielen Stunden im Bus boten auch Zeit für Schlaf, Spiel und Chorproben.
Nachdem wir in Ancona Herrn Doblhoff am Bahnhof aufgenommen hatten bezogen wir am späten Nachmittag unsere Quartiere leicht außerhalb Loretos in einem sehr schönen, äußerlich durch Bögen elegant gestalteten, Hotel und feierten am Abend in einem benachbarten Pilgerhotel die Sonntagsmesse. Der Blick von der Terrasse unseres Hotels wies auf das feierlich beleuchtete Loreto, das wie eine Sternenkonstellation in der Nacht des Kosmos funkelte und Vorfreude auf den kommenden Tag weckte.

Zu Besuch bei der Gottesmutter in Loreto

Nach der Nachtruhe begrüßte uns an unserem ersten Morgen in Italien ein liebevoll dargebotenes und reichliches Frühstücksbüffet um uns für die Eindrücke in Loreto leiblich zu stärken. Zu Fuß wanderten wir in Richtung der durch Stadtmauern eingefassten Altstadt und betraten sie durch ein altes Stadttor. Wie einzellige Organismen, thronen hier in den Marken die vielen kleinen Städtchen, von Mauern – gleich einer Zellwand – umgeben, auf den zahlreichen Hügeln der Region. Die gewundene Hauptstraße im Inneren Loretos führte uns, nach einem kurzem Spaziergang entlang an den charakteristischen Backsteinfassaden, zum „Zellkern“ des Städtchens, der großen durch Doppelarkaden umschlossenen Atrium-Piazza und der Basilika von Loreto, dem Herzen dieser Stadt. Die unter der Mitwirkung der Renaissancearchitekten Bramante und San Gallo gestaltete Basilika beherbergt unter ihrer Kuppel das vom Heiligen Land nach Italien translozierte Haus der Gottesmutter Maria in dem Gabriel ihr die Menschwerdung Jesu Christi ankündigte und wo sie ihre Einwilligung in den Plan Gottes gab: fiat mihi secundum verbum tuum - mir geschehe nach Deinem Wort. Wissenschaftler konnten anhand baulicher und chemischer Untersuchungen klar feststellen, daß das hier behütete Gebäude tatsächlich zu den noch heute in Nazareth befindlichen Resten des Hauses Marias passen.
In einer Kapelle der Unterkirche durften wir zunächst die Heilige Messe feiern, begleitet von den Gesängen unserer Schola. Frau Piras führte uns sodann in die Oberkirche um uns die Geschichte des Heiligtums und der Santa Casa zu erläutern und ihre Kunstschätze näherzubringen. Wir betraten die Schatzkammer, die von den napoleonischen Truppen geplündert und somit heute bar ihrer ursprünglichen Schätzen ist, deren herrliche Fresken von Pomarancio von besseren Tagen zeugen, die Sakristeien der Basilika mit ihren renaissancezeitlichen Deckengemälden von Melozzo da Forlì und Luca Signorelli und den mit Trompe-l’œil Holz-Intarsien gestalteten Wandschränken sowie auch die unterschiedlich gestalteten Seitenkapellen der hier vertretenen Nationen und wir betrachteten die Relief-Szenen der Marmor-Ummantelung der Santa Casa. Bevor wir darin eintraten, sammelten wir uns innerlich um unser Herz bereit zu machen, wie so viele Generationen andächtiger Pilger vor uns. Von deren liebender Ehrfurcht zeugen noch heute die Spur-Rillen ihrer Knie rund um die Santa Casa. Betritt man das Haus, tritt man in die innere Herzkammer des Heiligtums, ganz nahe bei Maria. Von den Wänden der Santa Casa strahlt es regelrecht, intensiv, hauchdünn ist hier der Schleier zwischen irdischer und geistiger Welt. Ein hörendes Herz, das offen und bereit ist, vermag es zu spüren. Maria sieht uns als Schwarze Madonna oberhalb des Altares an, ihre geistige Präsenz ist stark, eindringlich. Hic Verbum Caro factum est – hier ist das Wort Fleisch geworden, dies steht über dem Altar geschrieben; was damals an genau diesem Ort geschehen ist, wiederholt sich in abgewandelter Form in jeder Hl. Messe auf den Altären der Kirchen. Auch hier.
Nach dem Besuch des Heiligtums erklang der Angelus auf dem großen Vorplatz der Kirche, von weitem herab durch Lautsprecher am barocken Campanile des Vanvitelli, wie ein ferner Gruß an uns aus der himmlischen Heimat. Enzwischen begaben wir uns zum großen Platz vor dem Eingang zur Piazza der Basilika und genossen hier in einem kleinen Lokal die typischen Piade der Marken, Fladenbrötchen gefüllt mit Schinken, Tomaten, Mozzarella oder etwa der lokal typischen Ciauscolo-Wurst und den herrlichen weitläufigen Ausblick auf das adriatische Meer und den Berg Conero, dem Hausberg der Hafenstadt Ancona.
Am Nachmittag führte uns der Bus in das nahe liegende Städtchen Porto Recanati, ein altes Fischerdorf, das seit Jahrzehnten ein beliebter Badeort ist, es ist benannt nach dem im Hinterland liegenden Hügelstädtchen Recanati, Geburtsstadt des berühmten italienischen Dichters Giacomo Leopardi. Hier konnten wir nach Herzenslust im angenehm temperierten Wasser des adriatischen Meeres baden. Eintauchen im großen weltumspannenden Wasser, dessen Wellen seit dem Anbeginn der Zeiten niemals ruhen...
Am Abend nach dem Abendessen versammelten wir uns im bögen-umkränzten Innenhof unserer Unterkunft unter einer hohen Magnolie und mit dem Blick auf das Sternenzelt über uns um die Eindrücke des Tages revuepassieren zu lassen, die schon am ersten Tag überwältigend waren, so wie die Zeugnisse der Jugendlichen berührend. Auch an den Abenden aller folgenden Tage trafen wir uns erneut zum Austausch um unsere Eindrücke mit einander zu teilen.

Jesu Antlitz in Manoppello

Am frühen Morgen des Dienstag standen einige der Jungs und Mädels noch in der Dunkelheit der Nacht auf und begaben sich auf die Terrasse um gemeinsam mit Pater Pio bei Rosenkranz-Gebet und Gesang dem majestätischen Aufgang der Sonne beizuwohnen, die hier über der Adria und der Basilika von Loreto dem Horizont entsteigt. Seit der Frühzeit des Christentums versinnbildlicht der Sonnenaufgang in der Ausrichtung der Liturgie der Kirche nach Osten die glorreiche Wiederkehr unseres Herrn Jesus Christus am Ende der Zeiten.
Nach dem Frühstück setzten wir unsere Reise weiter nach Süden fort in die Region Abruzzen, wo allmählich die Hügel immer näher ans Meer heranrücken und die Fahrt spektakulär über Brücken und durch Tunnels hindurch verlaufen muss. Bescheiden verborgen zwischen den ruhigen bewaldeten Hügeln des Hinterlands ruht hier unscheinbar im Dörflein Manoppello eine kleine Kirche. In ihr, in einem kleinen Schrein erhoben über dem Hochaltar, wird in einem gläsernen Ostensorium ein hauchdünnes durchscheinendes Tuch aus Muschelseide (Byssus) verwahrt auf dem das Antlitz Jesu als Ikone geschrieben ist. Der Tradition nach handelt es sich hier um ein Acheiropoieton, ein nicht von Menschenhand gezeichnetes Bild. Gemäß der Überlieferung entstand es auf der Oberfläche des im Zuge der Grablegung über Jesu Antlitz gelegten Ehren-Tuches in Folge der Auferstehung Seines Leibes. Einer anderen Ansicht nach handle es sich hierbei um das berühmte Schweißtuch der Veronika und zeuge somit von der Passion Christi.
Jesu Antlitz sieht uns aus diesem Schleier heraus mit geöffneten Augen an, vergegenwärtigt so seine menschliche Gestalt in unserer Zeit. Während der Hl. Messe, die P. Pio für uns am Hochaltar von Manoppello unterhalb des Bildes Christi zelebrierte, war Jesus somit in dreierlei Weise gegenwärtig, bildhaft sowie geistig und leiblich. In zweierlei Art konnten wir Ihn gleichzeitig bei der Elevation des Leibes mit unseren Augen betrachten und Er uns: vom Priester erhoben real gegenwärtig aber verborgen in seiner Eucharistischen Gegenwart und darüber sichtbar-erkennbar im bildlichen Antlitz Jesu. Zugleich wurden unter den Blicken des Antlitzes Jesu im Zuge der Hl. Messe und ihres Opfers Sein Leiden, Sterben und Auferstehen hier am Altare gegenwärtig. Eindringlich, intensiv, fast zu intensiv, war Seine Gegenwart und Sein Blick zu spüren; der unermessliche Preis, den Er für uns bezahlt hat aus unermesslicher Liebe zu uns.
Nach der Hl. Messe stärkten wir uns beim Mittagessen im Restaurant des Pilgerhotels gleich neben der Kirche. Die Burschen nutzen die Gelegenheit für eine Fragestunde mit P. Pio um verschiedene Aspekte der Ehe zu ergründen.

Das nahegelegene Lanciano, wo ein wohl noch größeres, jedoch vielleicht weniger „anschauliches“ Wunder beherbergt wird, es bezeugt die Realität des Hl. Altarsakraments, konnten wir aus zeitlichen Gründen nicht besuchen: der im 8. Jh. im Zuge einer Hl. Messe in ein Stück konkretes menschliches Herzgewebe verwandelte Leib Christi und in konkretes menschliches Blut verwandelte Blut Christi als Zeugnis dafür, daß in der Hl. Messe Brot und Wein real in den eucharistisch verborgenen Gottmenschen Jesus gewandelt werden.

Uns von Osten Rom annähernd konnten wir bereits von Weitem die gigantische Kuppel des Petersdomes im Weichbild des Häusermeers der ewigen Stadt erblicken. Durch die quirligen Straßen Roms führte die Strecke unseres Reisebusses an den zahlreichen Zeugnissen der römischen Geschichte vorbei, den Aurelianischen Mauern, antiken Aquädukten, dem gewaltigen „Tal“ des Circus Maximus mit dem sich darüber am Palatin erhebenden Ruinen der Kaiserpaläste als Zeugnis der Vergänglichkeit weltlicher Pracht menschlicher Herrschaft. Entlang des Tibers mit seiner Insel fuhren wir ins Zentrum der Katholischen Christenheit. Hier, gleich neben der Peterskirche, bezogen wir Quartier in der Pilgerunterkunft der Pallottinerinnen.
Nachdem wir uns frisch gemacht hatten ging es in ein typisch römisches Lokal, wo wir die römische Küche entdecken konnten und statteten – nach einem Eis – dem nächtlich-beleuchteten Petersplatz einen Besuch ab. Hier zu stehen, für einige erstmals, inmitten einer Kulisse, die jeder von uns aus abertausenden von Photos kennt, eingetaucht im Licht der Scheinwerfer, hatte etwas unwirkliches, fast surreales an sich…

In Rom zu Besuch bei Philipp Neri und Katharina von Siena

Bedingt durch eine Erkrankung des Papstes konnte die Papstaudienz, für die wir uns angemeldet hatten, nicht stattfinden, also nutzten wir die Zeit um im Stadtzentrum Roms zu flanieren, die Atmosphäre der Stadt zu erleben, Kirchen und ihre Architektur zu studieren. Der Weg führte zunächst zum Petersplatz. Die Kolonnaden des quer zum Dom angelegten ovalen Platzes umfangen die aus aller Welt hier her strömenden Gläubigen gleichsam wie die Arme des himmlischen Vaters, der seine Kinder umarmen möchte um sie in sein Reich zu führen. Der ägyptische Obelisk in der Mitte des Platzes, ein Zeugnis des Heidentums und vormals von den Römern als Attraktion im benachbarten Circus des Vatikans aufgestellt, wird vom Kreuz Christi überragt, der die Götzen der Heiden und den Tod überwunden hat. Wir schritten die Via della Riconciliazione hinab zum alten Mausoleum des Hadrian, über dem damaligen Papst Gregor den Großen am Ende einer Bittprozession der Hl. Erzengel Michael erschien, der sein Feuerschwert in die Scheide zurücksteckte und somit die Pest, die damals Rom plagte, beendete und das deshalb heute als Castel Sant’Angelo bekannt ist.
Über den Tiber hinweg zogen wir weiter zum Oratorium und zur Kirche Chiesa Nuova des vom großen Heiligen der Gegenreformation Philipp Neri begründeten Ordens der Oratorianer. Hier konnten wir beispielhaft die typische Gestaltung römischer Kirchen und ihrer Fassaden betrachten, die nicht frei auf den Plätzen errichtet wurden, sondern in den Insulae der Stadt gleich neben den Wohnbauten erbaut sind und bei denen daher nur eine Fassade prachtvoll gestaltet ist. Als monumentale Wandscheibe fungiert sie als Schranke zwischen der profanen Alltagswelt und dem Heiligtum und als Pforte in die sakrale Sphäre. Typisch für den Barock sind die tektonisch geschichteten, dynamisch vor und zurückkragenden Pilaster, Gesimse und Giebel, die an der Fassade der Chiesa Nuova zu sehen sind. Für die Gestaltung der unmittelbar daneben befindlichen Fassade des Oratorium hat Borromini mittels der leichten Biegung der Wandscheibe und durch den Ausgleich konkaver und konvexer Gestaltungselemente der Fassade die dynamische Wirkung noch gesteigert. Pater Pio berichtete uns viele Details über Leben und Wirken Philipp Neris, danach betraten wir seine Kirche. Einer glücklichen Fügung verdankten wir, daß gerade an jenem Tag und gerade zu jenem Zeitpunkt ein Oratorianer der an jenem Tag sein 40-jähriges Priesterjubiläum feierte gerade in der Chiesa Nuova weilte und sich spontan anbot uns zu den Gemächern des Heiligen zu bringen und uns hier eine Führung zu geben. Hier gab es zahlreiche Berührungsreliquien des Heiligen zu sehen, darunter sein letzter Bissen Brot und der Kelch auf dem noch die Spuren seiner Zähne sichtbar sind und von der großen Innbrunst zeugen, mit der er die Hl. Messe zelebrierte. Schließlich besuchten wir auch das Grab des Heiligen und konnten vor seinem Sarkophag beten.
Nach einer römischen Pizza und schmackhaften Supplìs in der berühmten Pizzeria „La Montecarlo“ und einem erfrischenden Eis ging es dann weiter zur Piazza Navona mit dem Vier-Flüsse-Brunnen und der Kirche S. Maria in Agone von Borromini und dann weiter zur Kirche San Luigi dei Francesi, welche in einer Seitenkapelle drei Meisterwerke von Caravaggio beherbergt. Das berühmteste dieser Gemälde zeigt die Bekehrung des Zöllners Levi/Matthäus in dessen Dunkelheit das Licht des gerade eintretenden Christus hineinbricht und schließlich seine Berufung erwirkt. Anschließend ging es weiter zum Pantheon, dessen Architektur seit fast 2000 Jahren die Qualität altrömischer Architektur bezeugt. Gleich in der Nähe befindet sich die Casa del Caffè, wo wir genuinen römischen Espresso genießen konnten. Hinter dem Pantheon besuchten wir darauf die Dominikaner-Kirche S. Maria sopra Minerva, die einzige gotische Kirche Roms. Hier pilgerten wir zum Schrein der Hl. Katharina von Siena, vor deren Grab wir beten konnten, und betrachteten die Statue des auferstandenen Christus von Michelangelo.
Anschließend spazierten wir, vorbei an der Area Sacra di Largo Argentina mit ihren römischen Ausgrabungen, in den Bezirk Trastevere zur Basilica S. Maria in Trastevere die über der ersten Marienkirche Roms erbaut wurde und für ihre berühmten byzantinischen Mosaiken des 12. Jh. berühmt ist und deren antike Säulen-Spolien von der damaligen Praxis zeugen, nicht mehr genutzte Bauten der Antike als Steinbruch für Neubauten zu gebrauchen. In der Cappella Altemps links vom Hochaltar war für uns bereits alles für die Hl. Messe vorbereitet worden, die wir direkt vor der spätantiken Enkaustik-Ikone Madonna della Clemenza, einer der ältesten erhaltenen Ikonen der Christenheit, feiern durften, die uns gedanklich mit den Gläubigen jener fernen Zeit verband, die auch schon damals vor dieser Ikone vertrauensvoll die Gottesmutter um Fürsprache bei Gott baten.
Anschließend spazierten wir auf den Gianicolo-Hügel hinauf von wo wir, von Pinien beschattet, über die Dächer Roms blicken und die Papageien beim Spiel in den Baumwipfeln beobachten konnten.

Zu den großen Basiliken Roms und in die Vatikanischen Museen

Unser zweiter Tag in Rom stand im Zeichen der großen päpstlichen Basiliken. Der Bus fuhr uns zunächst zu San Paolo fuori le mura. Die 324 unter Kaiser Konstantin eingeweihte Kirche wurde 1823 durch einen Brand stark zerstört und anschließend wieder aufgebaut, vermittelt aber noch immer einen guten Eindruck der Raumwirkung der großen Basiliken der Spätantike. Der Anfang des 20. Jh. hier neu errichtete Atrium-Hof, in dessen Mitte eine Statue des hl. Paulus aufgestellt steht, bildet wie in den Basiliken der spätantiken Zeit einen Bereich der Stille und Einkehr zwischen der profanen Welt und dem Heiligtum und ist abgeleitet von den Vorhöfen des Tempels von Jerusalem. Am Triumphbogen zwischen Langbau und Querschiff erblickten wir das von der spätantiken Kaiserin Galla Placidia gestiftete Mosaik mit dem leuchtenden in einem Strahlenkranz eingeschriebenen Christus Pantokrator und in der Apsis den thronenden Christus in einem Mosaik des 13. Jh. Unter dem Baldachin-Altar konnten wir den in der Confessio ruhenden Sarkophag des heiligen Paulus erblicken und bei ihm beten.
Als nächstes besuchten wir die Kirche Santa Croce in Gerusalemme, deren geschwungene barocke Fassade an die Architektur Borrominis erinnert. Die Kirche selbst entstand in einem der Saalräume des Palastes der Kaiserin Helena, der Mutter Konstantins, und beherbergt in einem Schrein einer abgesonderten Kapelle herausragende Zeugnisse der Kreuzigung Christi: den größten erhaltenen Teil des Balkens des Kreuzes Christi, einen Teil des Titulus, d.h. der Inschrift-Tafel, die auf Jesu Kreuz genagelt worden war, zwei Dornen der Dornenkrone und einen der Nägel Christi. Reliquien bilden eine Brücke durch die Zeit, die uns Heutige mit der damaligen Gegenwart und den Protagonisten des Heilsgeschehens verbinden und unseren Glauben durch tangible Zeugnisse zu stärken vermögen. Vor den konkreten Reliquien des Leidens Jesu zu weilen, sie zu sehen und vor ihnen zu beten ließ uns die Realität seines Opfers auch mit unseren leiblichen Sinnen zum Greifen nahe werden und erkennen.
Unsere nächste Etappe war die Kathedralkirche der Bischöfe Roms, die dem Johannes dem Täufer gewidmete Lateran-Basilika mit dem päpstlichen Thron und der riesigen aus der Curia Iulia, dem alten Senatsgebäude, stammenden antiken Bronzetür. Einst unter Konstantin in der Spätantike errichtet präsentiert sich die Basilika heute mit einer strengen fast klassizistisch anmutenden Barockfassade, das Innere wurde von Borromini so umgestaltet, daß die Säulenreihen zwischen Mittelschiff und Seitenschiffen durch den abwechselnden Rhythmus großer Bögen und Wandfelder ersetzt und gestaltet wurden, in deren Nischen als Kolossalstatuen elf der zwölf Apostel postiert sind; anstelle des Judas Ischariot ist Paulus zu sehen, der nach seiner Bekehrung dessen Platz übernahm.
Danach fuhren wir zurück zum Petersplatz von wo es in die Vatikanischen Museen ging. Abenteuerlich gestaltete sich das Vorankommen im unglaublichen Gedränge der Besucher auch schon bereits beim Eingang der überfüllten Museen und dann erst recht darin. Die Führerin Marilena hielt uns per Funk-Verbindung, Fähnchen und mittels wiederholtem Abzählens zusammen und schleuste uns durch die schier labyrinthische Abfolge von Räumen und Sammlungen. Teilweise musste der Zugang zu bestimmten Sammlungen aufgrund der Überfüllung temporär gesperrt werden, so ging es dann zur Überbrückung der Wartezeit in weniger besuchte Bereiche, etwa durch die etruskische Sammlung. Zu den großen Höhepunkten der Vatikanischen Museen zählen etwa Werke wie die Laokoon-Gruppe, der Torso vom Belvedere und der Sarkophag der Helena, die wir hier endlich in natura bewundern durften und die die Schülerinnen und Schüler aus dem Kunstgeschichte-Unterricht bereits sehr gut kannten. Im Hof mit dem Pinienzapfen erklärte uns die Führerin anhand großer hier aufgestellter Tafeln den kompositorischen Aufbau und die Bedeutung der Bildszenen der Cappella Sixtina; eine Erläuterung vorort innerhalb der Kapelle wäre aufgrund des Gedränges und Getöses nicht möglich gewesen. Die Sixtina betritt man über eine eigentlich unscheinbare Öffnung und befindet sich sogleich in dessen gewaltigen Raum. Die Erfahrung sich innerhalb dieses absolut überragenden und kolossalen Meilensteins der abendländischen Kunstgeschichte zu befinden war überwältigend. Wir verweilten lange in der Kapelle um sie, eingedenk der vorhergehenden Erklärungen, auf uns einwirken zu lassen. Anschließend ging es die Scala Regia hinab in Richtung Ausgang. Diese von Bernini gestaltete feierliche Treppe, die zum Thronsaal des Papstes führt, ist so ausgeführt, daß sie nach oben hin kleiner und niedriger wird, auf diese Weise nützte Borromini das Prinzip der Perspektive um den Aufgang für die Gäste des Papstes weitläufiger, dramatischer, majestätischer zu gestalten, Ehrfurcht zu wecken um die Bedeutung des Amts des Stellvertreters Christi bewusst zu machen.
Schier erschlagen von den Eindrücken, sei es der atemberaubenden Schönheit als auch des bienenstockgleichen Gedränges und der Hitze, gingen wir zurück in unsere Unterkunft um uns frisch zu machen und sodann zu einem letzten Restaurantbesuch in unsere bewährte Trattoria zu schreiten. Anschließend klang der Abend spirituell bei der Hl. Messe in der Kapelle der Pallottiner-Unterkunft aus.

Vom Petersdom zu P. Mandic und zurück nach Baden

Frühmorgendlich standen wir auf um als erste bei der Öffnung des Petersdoms die Sicherheitsschleusen passieren zu können. Am fast menschenleeren Petersplatz erstrahlte die geostete Eingangsfassade der gewaltigen Basilika mit ihrer imposanten Kolossalordnung im Licht der aufgegangenen Sonne. Aufgrund der besonderen Gegebenheiten des Geländes hatte schon Kaiser Konstantin seine ursprüngliche Peterskirche – die bekanntlich über dem Grab des Apostels Petrus, das gleich neben der antiken Pferderennbahn des Vatikan lag, errichtet worden ist – anders als sonst üblich nach Westen hin ausrichten müssen, sodaß die Ausrichtung der Liturgie in der Peterskirche, entgegen der üblichen Praxis, nicht zur Apsis hin sondern entgegengesetzt dazu zum Eingang der Kirche erfolgen musste um nach Osten hin in Richtung des wiederkehrenden Christus zu zelebrieren. Der heutige Dom ist ein Werk vieler großartiger Baumeister der Renaissance und des Barock. Zwischen 1503 und 1626 arbeiteten hier Bramante, sodann Raffael und Sangallo, dann Michelangelo, Vignola und della Porta und schließlich Maderno. Bernini errichtete sodann die oval angelegten Kolonnaden des Petersplatzes und den berühmten Baldachin des Hauptaltars über dem Petrusgrab. Bramante, Raffael und Michelangelo sahen für den Dom, im Gegensatz zum spätantiken Bau Konstantins, einen auf dem griechischem Kreuz beruhenden Zentralbau mit Kuppel vor, erst Maderno erweiterte diese Kreuzform zu einem Langbau in Form eines lateinischen Kreuzes, das traditionell den Erfordernissen der Hl. Messe besser gerecht wird.
Die Dimension des Doms ist überwältigend doch nicht erschlagend sondern erhebend, anders als die titanischen Architekturen der totalitären Ideologien der modernen Zeit. Das Bauwerk gliedert sich der Ordnung der Schöpfung Gottes folgend, in harmonischer Proportion von Form und Farbe und Material, ist komponiert im Geist des Schönen, Wahren, Guten, des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Obwohl klitzeklein im Vergleich zu den Gliedern des Baus ist der einzelne Mensch, mit seinen Maßen und Proportionen, Teil dessen Ganzen, integriert und nicht erdrückt und somit erhoben. Bis hinauf in die atemberaubenden Höhen der Tonnengewölbe, die Staunen hervorrufen, wie Menschen jener Zeit ohne heutige Werkzeuge und Maschinen solches hervorbringen konnten. Alles ist erfüllt von Schönheit, Größe und Liebe für jedes Detail. Im Dom betrachteten wir die meisterliche Pietà des Michelangelo, heute hinter Panzerglas beschützt, standen vor der berühmten bronzenen Petrusstatue und beteten vor der Confessio mit dem Grab Petri.

Danach hieß es Abschied zu nehmen von der Ewigen Stadt. Zurück in der Unterkunft gingen wir zum Busparkhaus und von dort fuhren wir durch die Stadt, vorbei am Foro Italico, nach Norden.
Auf der Fahrt sahen wir den zweiten Teil von Herr der Ringe und diskutierten anschließend im Bus mit Pater Pio über die christlichen Themen die Tolkien in seinem Epos einfließen ließ und wie sie literarisch bzw. filmisch umgesetzt wurden. Unser nächster und letzter spiritueller Halt galt in Padua einer kleinen bescheidenen Klause, dem Wirkungsort des hl. Paters Leopold Mandic, der als eine Art Padre Pio Norditaliens galt und als Beichtvater vielen Seelen den Eingang ins Himmelreich ermöglichte. Hier in der Kapelle des kleinen Klosters feierten wir zuletzt die Hl. Messe. Wir sahen seinen Beichtstuhl und beteten vor seinem Grab.
Weiter nach Norden fahrend tauchte der Bus langsam in die Nacht ein und in die Kulisse der Alpen, die ein wenig an Tolkiens Moria oder andere dunkle oder sagenhafte Landschaften Mittelerdes erinnerte. Tief in der Nacht erreichten wir Baden, müde und innerlich gestärkt von den vielen Gnaden, die uns auf unserer Pilgerreise geschenkt wurden.