30.07.2022, News

28. Juni: Besuch der 8. Klasse in Prof. Fuchs` Mal-Atelier in Heiligenkreuz

Bei ihrem letzten gemeinsamen Schulausflug am 28. Juni 2022 besuchten unsere Maturanten mit ihrem Klassenvorstand Prof. Borioni das Zisterzienser-Stift Heiligenkreuz. Ziel war das temporäre Atelier von Prof. Clemens Fuchs im Kaisertrakt des Klosters, wo er derzeit an den neuen Gemälden für die kleine, neben der Stiftskirche gelegene, Kreuzkirche arbeitet.

Zunächst besichtigten sie gemeinsam die Kreuzkirche um den gegenwärtigen Raumeindruck dieser Kapelle zu studieren, anschließend ging es über den Arkadengang in den Kaisersaal des Kaisertraktes. Hier erklärte der Meister seine Umgestaltungsentwürfe für die Kapelle anhand zweier Modelle, die die Wirkung seiner neuen Gemälde auf den Innenraum veranschaulichen. Mittels Anbringung großflächiger Tafelgemälde erzielt Prof. Fuchs eine klare und großzügige Neuordnung des Raumes. Anhand der gewählten Motive betont er zudem auch die Gliederung der Kapelle in zwei Bereiche, dem der betenden Gläubigen im Kirchenraum und dem der opfernden Kleriker im Presbyterium. Die neuen Gemälde des Kirchenraumes besitzen mit ihren Motiven einen eher illustrierenden Charakter, während das Hochaltar-Gemälde hingegen einen direkten und aktiven Bezug auf das im Heiligen Messopfer sich am Altar real vergegenwärtigende Kreuzesopfer von Golgota nimmt.
Prof. Fuchs hat für das Presbyterium einen gänzlich neuen Hochaltar samt Tabernakel und dem darüber befindlichen Schrein für die Reliquienmonstranz des Hl. Kreuzes entworfen. Um diesen Altar herum hat er sein großes Hochaltar-Gemälde konzipiert, das die gesamte Ostwand des Presbyteriums bedeckt. Darauf abgebildet ist die Dreifaltigkeit, bei deren Darstellung Prof. Fuchs das kunsthistorisch weit verbreitete Bildmotiv des „Gnadenstuhls“ aufgreift, bei dem Gott Vater den Gekreuzigten hält. – In seinem Gemälde nimmt Gottvater den geopferten und vom Kreuz abgenommenen Gott-Sohn auf. Dessen offene, blutende Seitenwunde weist dabei auf den Reliquien-Schrein mit den Holz-Partikeln des wahren Kreuzes sowie auf den Tabernakel und auf den Altar, ja sie ergießt sich darauf und drückt somit kraftvoll aus, daß das von Jesus am Kreuz aug Golgota zur Sühne der Sünden der Menschen vergossene Blut im Hl. Messopfer gegenwärtig wird. Links des Gesichts Gottvaters und des Gesichts Jesu erscheint die dritte Person Gottes in Gestalt der Taube des Heiligen Geistes und vervollständigt somit die Bildkomposition in Form eines Dreiecks, das die Einheit der drei Personen des dreieinigen Gottes veranschaulicht. Die menschliche Mitwirkung durch Zustimmung am sühnenden Heilswirken Gottes veranschaulichen die seitlichen Assistenzfiguren, links sind es weibliche, rechts männliche, die symbolisch-stellvertretend den einerseits mütterlich empfangenden andererseits den väterlich priesterlich spendenden Aspekt der Kirche symbolisieren. Hier sehen wir, zu den beiden Seiten Christi, zuoberst die bei Jesu Kreuzigung anwesend gewesenen Maria links und Johannes rechts. Sie sind dabei dargestellt, wie sie zwei rezente Heilige in das Geschehen quasi mithineinziehen, dabei handelt es sich konkret um die selige Zisterzienserin der strengen Observanz (Trappistin) Gabriella Sagheddu (†1939), Patronin der christlichen Einheit, und den seligen Zisterzienser-Pater Anasztáz Janos Brenner (†1957), Märtyrer der kommunistischen Kirchenverfolgung. Letzterer stützt Jesu Beine und scheint ihn aktiv zu Gottvater emporzuheben, eine Anspielung auf die Erhebung des Leibs Christi in der Hl. Messe durch den Priester, bei der er den Herrn Jesus Christus in eucharistischer Gestalt Gottvater als Sühne-Opfer darbringt.
Vom Kaisersaal aus betraten die STM-Gäste das dahinter liegende, fast wie ein Allerheiligstes anmutende, für den Zeitraum der Erschaffung der Bilder eingerichtete Atelier, das wie eine Schatzkammer die noch unvollendeten Tafeln mit den Ölgemälden für die Kapelle beherbergt. Vorsichtig und andächtig betraten die Maturanten den Raum. Die großen Bilder waren aneinander stehend angelehnt, sodaß das Bild, an dem gerade gearbeitet wird, zuvorderst zu sehen war. Hierbei handelte es sich um die Darstellung des seligen Bischofs Otto von Freising, ein Zisterzienser-Pater und berühmter Historiker, Sohn des Hl. Markgrafen Leopold III., des Stifters von Heiligenkreuz.
Prof. Fuchs erläuterte seinen Gästen im Atelier die tieferen Inhalte der Bild-Kompositionen sowohl des Hochaltargemäldes als auch aller anderen Tafelbilder und veranschaulichte anhand verschiedener Ölskizzen die allmähliche Entwicklung bzw. Evolution der jeweiligen Entwürfe im Zuge des langwierigen Entwurfsprozesses.
Zum Abschluss besuchten die Maturanten noch die Stiftskirche von Heiligenkreuz und anschließend ging es mit Prof. Fuchs und Prof. Borioni auf ein Getränk in den Gastgarten des Kloster-Restaurants. Hier konnten sie die tiefen Eindrücke dieses Vormittags Revue passieren lassen, an dem sie die privilegierte Gelegenheit erhalten hatten, Einblick in einen kurzen Augenblick des Zeitraums der Entstehung sakraler Kunstwerke zu erhalten, die die Jahrhunderte überdauern werden und viele künftige Generationen in Andacht betrachten werden, auch dann noch wenn wir Heutige auf Erden längst vergangen sein werden. – So wie wir heute darüber nachsinnen, wie es wohl gewesen wäre etwa den großartigen Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle zu besuchen und beim Malen zu beobachten, so mögen vielleicht unsere Ur-Urenkel in ferner Zukunft uns um diese Augenblicke in Gegenwart des Künstlers in dessen Atelier und bei der Erschaffung seines Kunstwerks beneiden...